„Stillen darf am Anfang weh tun.“
„Da musst du durch, das wird schon.“
„Deine Brustwarzen müssen sich erst abhärten.“
Kaum ein Satz wird stillenden Müttern so häufig gesagt – und kaum einer richtet so viel Schaden an.
Denn die Wahrheit ist: Stillen darf sensibel sein, aber es sollte nicht schmerzhaft sein.
Und wenn es weh tut, hat das einen Grund.
Schmerzen sind kein Beweis für Durchhaltevermögen
Viele Mütter zweifeln an sich, wenn Stillen schmerzt.
Sie glauben, sie seien zu empfindlich, nicht belastbar genug oder „nicht fürs Stillen gemacht“.
Dabei ist Schmerz kein persönliches Versagen.
Schmerz ist ein Warnsignal.
Dein Körper zeigt dir damit, dass etwas nicht optimal läuft – und genau hier lohnt es sich, hinzuschauen, statt „durchzuhalten“.
Warum Stillen Schmerzen verursachen kann
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass Stillprobleme vereinfacht werden.
Dabei sind die Ursachen meist vielschichtig und individuell.
Häufige Gründe für Schmerzen beim Stillen sind zum Beispiel:
- eine ungünstige Saugtechnik des Babys
- ein zu flaches oder asymmetrisches Andocken
- Spannungen oder anatomische Besonderheiten beim Baby
- Stillpositionen, die Druck oder Reibung erzeugen
- ein sehr schneller Milcheinschuss oder starke Milchmenge
- bereits verletzte Brustwarzen, die nicht abheilen können
Wichtig dabei: Schmerzen sind nicht „normal“, nur weil sie häufig vorkommen.
Sie sind ein Zeichen dafür, dass Stillen Unterstützung braucht.
Warum Abwarten das Problem oft verschlimmert
Viele Mütter hoffen, dass sich der Schmerz „einfach legt“.
Doch genau das passiert oft nicht.
Was stattdessen häufig folgt:
- die Brustwarzen werden immer empfindlicher
- Stillen wird mit Anspannung verbunden
- das Baby reagiert unruhiger
- Stillmahlzeiten werden vermieden oder verkürzt
- Schuldgefühle und Zweifel wachsen
Ein Kreislauf, der nichts mit fehlender Motivation zu tun hat – sondern mit fehlender Lösung.
„Aber meine Hebamme sagt, das sei normal“
Hebammen leisten unglaublich wichtige Arbeit und begleiten Familien mit viel Engagement.
Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen: Nicht jede Hebamme ist auf Stillprobleme spezialisiert.
Stillen ist ein eigenes Fachgebiet mit komplexen Zusammenhängen.
Wenn Schmerzen als „normal“ eingeordnet werden, liegt das meist nicht an fehlender Empathie, sondern an begrenzter Zeit oder fehlender vertiefter Stillausbildung.
Das bedeutet nicht, dass du falsch liegst.
Es bedeutet, dass dein Thema vielleicht eine andere Form von Unterstützung braucht.
Was passiert, wenn die Ursache erkannt wird
Der Moment, in dem eine Mutter versteht, warum Stillen weh tut, ist oft ein Wendepunkt.
Denn plötzlich wird klar:
👉 „Ich bin nicht kaputt – das Stillen braucht eine Anpassung.“
Wenn die Ursache gezielt angegangen wird, berichten viele Mütter von:
- sofortiger Schmerzlinderung oder deutlicher Verbesserung
- entspannteren Stillmahlzeiten
- mehr Vertrauen in sich selbst
- einem Baby, das ruhiger und effektiver trinkt
Manchmal braucht es kleine Veränderungen.
Manchmal einen genaueren Blick.
Aber fast nie braucht es einfach nur „mehr Aushalten“.
Stillen darf sich gut anfühlen
Stillen ist Nähe.
Stillen ist Kommunikation.
Stillen ist Beziehung.
Und ja – es darf herausfordernd sein.
Aber es sollte nicht dauerhaft weh tun.
Wenn du beim Stillen die Zähne zusammenbeißt, dich innerlich auf jede Mahlzeit vorbereitest oder Angst vor dem Anlegen hast, dann ist das kein Zustand, den du akzeptieren musst.
Du darfst dir Hilfe holen – bevor du aufgibst
Eine professionelle Stillberatung ersetzt keine Hebamme – sie ergänzt dort, wo Stillen tiefergehende Unterstützung braucht.
Sie nimmt sich Zeit.
Sie schaut genau hin.
Und sie sucht nach Lösungen, die zu dir und deinem Baby passen.
Nicht jede Mutter braucht eine Stillberatung.
Aber jede Mutter, die Schmerzen hat, darf sich ernst genommen fühlen.
🤍 Stillen muss nicht weh tun.
🤍 Du musst da nicht „durch“.
🤍 Und du darfst dir Unterstützung holen, bevor Stillen zur Belastung wird.


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